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Rollen definieren, ohne bei null anzufangen

Nutzen Sie strukturierte Berufsdaten für relevante Verantwortlichkeiten, Kompetenzen, Wissen und Tätigkeiten und passen Sie diese an Ihre Organisation an.

Porträt von MarkusMarkus
Veröffentlicht

Sie möchten die Rolle Product Manager definieren. Der Titel ist vertraut und das gewünschte Ergebnis ungefähr klar. Doch das leere Rollenformular wirft schwierigere Fragen auf.

Welche Verantwortlichkeiten gehören in die Rolle? Welche Kompetenzen und welches Wissen sind relevant? Was ist grundlegend für den Beruf und was ergibt nur in Ihrem Unternehmen Sinn? Was wurde übersehen?

Viele Organisationen setzen die Antwort aus vorhandenen Stellenbeschreibungen, Stellenanzeigen, Websuchen, KI-generierten Listen und internen Meinungen zusammen. Jede dieser Quellen kann helfen. Doch keine bietet dem Team von sich aus einen stabilen, gemeinsamen Ausgangspunkt.

Eine weitere Quelle sind strukturierte Berufsdaten. Sie definieren die Rolle nicht für Sie, können aber den ersten Entwurf deutlich verbessern.

Ein leeres Formular ist kein neutraler Ausgangspunkt

Bei null zu beginnen klingt flexibel. In der Praxis hängt die Qualität eines Rollenprofils dann stark davon ab, wer es schreibt, welche Beispiele diese Person findet und woran sie sich gerade erinnert.

Eine Führungskraft beschreibt Ergebnisse. Eine andere listet tägliche Aufgaben auf. Eine dritte kopiert Anforderungen aus einer Stellenanzeige. Die fertigen Rollenprofile lassen sich nur schwer vergleichen – selbst wenn die Rollen eng miteinander verwandt sind.

Strukturierte Berufsdatenbanken stellen ein Referenzvokabular bereit. Je nach Quelle ordnen sie Berufsbezeichnungen, Beschreibungen, Kompetenzen, Wissen, Tätigkeiten, Aufgaben, Qualifikationen und Beziehungen zu anderen Berufen.

Die praktische Idee ist einfach: Berufsdaten liefern die Basis. Ihre Organisation liefert den Kontext.

Viel berufliches Wissen ist bereits strukturiert verfügbar

Berufsdatenbanken sind gepflegte Referenzsysteme. Häufig werden sie von öffentlichen Institutionen für Arbeitsvermittlung, Statistik, Bildung, Berufsberatung oder Arbeitsmarktforschung erstellt. Sie überführen Wissen, das sonst in Dokumenten und individueller Erfahrung verteilt wäre, in strukturierte Begriffe und Beziehungen.

Die Quellen sind nicht austauschbar. Eine statistische Klassifikation kann Berufen einheitliche Codes geben, aber nur wenige Details zur Arbeit enthalten. Eine inhaltlich reichere Berufsdatenbank kann einen Beruf mit Kompetenzen, Wissen, Aufgaben oder Tätigkeiten verbinden. Nationale Systeme ergänzen lokale Berufsbezeichnungen, Ausbildungswege und Zertifikate.

Für die Rollengestaltung ist die zweite Art besonders hilfreich. Sie liefert Material, das Sie prüfen können, anstatt alle relevanten Elemente aus dem Gedächtnis zusammentragen zu müssen.

ESCO, AMS BIS, O*NET und weitere Quellen

Sie müssen kein Taxonomie-Spezialist sein, um Berufsdaten zu nutzen. Einige Beispiele zeigen, welchen Beitrag unterschiedliche Quellen leisten können.

ESCO: eine gemeinsame europäische Sprache

ESCO ist die mehrsprachige Klassifikation der Europäischen Kommission für Berufe und Kompetenzen. Sie funktioniert wie ein strukturiertes Wörterbuch: ESCO beschreibt Berufs- und Kompetenzbegriffe und zeigt ihre Beziehungen. Die Kompetenzsäule umfasst Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen.

Das macht ESCO nützlich, wenn Organisationen einheitliche Begriffe über Rollen, Systeme, Länder oder Sprachen hinweg benötigen. Die Stärke liegt im gemeinsamen Vokabular – nicht in einer detaillierten Vorgabe, wie ein bestimmtes Unternehmen sein Produktmanagement organisieren soll.

AMS BIS: praktische Tiefe für Österreich

Das Berufsinformationssystem des AMS (BIS) verbindet österreichische Berufsprofile mit Tätigkeiten, Kompetenzen, Ausbildungen und Zertifikaten. Seine Kompetenzklassifikation strukturiert fachliche und überfachliche Kompetenzen und unterstützt das Matching zwischen Personen und Berufsfeldern, wie die offizielle Systembeschreibung des AMS erläutert.

Diese lokale Tiefe ist wichtig. Gebräuchliche Berufsbezeichnungen, Ausbildungswege und Erwartungen lassen sich nicht verlustfrei von einem Arbeitsmarkt auf einen anderen übertragen.

O*NET: detaillierte Informationen über Arbeit in den USA

O*NET wird vom US-Arbeitsministerium gefördert und stellt detaillierte Berufsprofile für den US-Arbeitsmarkt bereit. Das Inhaltsmodell umfasst Kompetenzen, Wissen, Fähigkeiten, Arbeitsaktivitäten, Aufgaben, Arbeitskontext, Bildung und Erfahrung.

Diese Tiefe ist für Forschung und die Erkundung von Rollen wertvoll. Die Daten brauchen dennoch Kontext: Informationen über US-amerikanische Berufe ergeben nicht automatisch die passende Definition für eine europäische Organisation.

Unterschiedliche Arbeitsmärkte haben eigene Referenzsysteme

Andere Systeme erfüllen in ihren Arbeitsmärkten ähnliche Aufgaben. Beispiele sind ROME 4.0 in Frankreich und BERUFENET in Deutschland. Manche Quellen bieten inhaltlich reiche Berufsprofile. Andere klassifizieren Berufe vor allem statistisch oder beobachten die Nachfrage in Stellenanzeigen.

Die nützliche Frage lautet nicht: „Welche Datenbank ist die beste?“ Sondern: „Welche Quelle bietet für diese Rolle, in diesem Arbeitsmarkt und für diesen Zweck eine glaubwürdige Referenz?“

Berufsdatenquellen im Überblick

Die folgenden öffentlichen Referenzsysteme und kommerziellen Ergänzungen lösen unterschiedliche Probleme. Ihre Aufnahme in diese Liste bedeutet daher weder, dass jede Quelle gleich gut für die Rollengestaltung geeignet ist, noch dass riteful jede dieser Quellen integriert.

Europa

Nord- und Lateinamerika

  • O*NET: Detaillierte US-Berufsprofile mit Skills, Wissen, Aufgaben und Kontext.
  • SOC: Statistischer US-Standard für Berufscodes, Titel und Hierarchien.
  • NOC und OaSIS: Kanadische Berufsklassifikation und ergänzende Kompetenzprofile.
  • SINCO: Nationale Berufsklassifikation für Mexiko.
  • CBO, QBQ und GBO: Brasilianische Berufe mit Wissen, Skills, Einstellungen und Marktdaten.
  • CUOC und OCUPACOL: Kolumbianische Berufscodes und inhaltlich reiche Berufsprofile.

Kommerzielle Ergänzungen

  • Lightcast: Skills-, Jobtitel- und Arbeitsmarkttaxonomien für Matching und Analyse.
  • Textkernel: Mehrsprachige Skills- und Berufstaxonomien mit NLP-Normalisierung.

Vom „Product Manager“ zum brauchbaren Rollenprofil

Nehmen wir an, Product Manager ist Ihre erste Bezeichnung. Je nach Quelle und passender Zuordnung des Berufs können Referenzdaten mögliche Inhalte sichtbar machen, zum Beispiel:

  • Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten: Markt- oder Kundenbedürfnisse analysieren, Produkte definieren, Entwicklung und Markteinführung koordinieren und den Produktlebenszyklus begleiten.
  • Kompetenzen: Kommunikation, Projektmanagement, Management und Marketing.
  • Wissen: betriebswirtschaftliche Grundlagen, Vertrieb, der relevante Markt und branchenspezifisches Fachwissen.

Das sind Kandidaten, keine fertige Spezifikation. Schon der Titel ist mehrdeutig. Ein Product Manager für Industrieanlagen, ein Handelssortiment und eine Softwareplattform kann einige Muster teilen und trotzdem grundlegend andere Arbeit leisten. Die AMS-Beschreibung des Berufs Product Manager zeigt das deutlich: Ihr Schwerpunkt auf Produktion, Vertrieb, Marktanalyse und Markteinführung ist nützliches Referenzmaterial, beschreibt aber nicht jede digitale Produktrolle vollständig.

Nun hat die Organisation etwas Konkretes zu besprechen:

  • Verantwortet diese Rolle die Produktstrategie oder arbeitet sie daran mit?
  • Welche Entscheidungen darf sie ohne weitere Freigabe treffen?
  • Umfasst sie Discovery, Delivery, Go-to-Market oder den gesamten Lebenszyklus?
  • Welches Produkt-, Markt-, Regulierungs- oder Technikwissen ist hier unverzichtbar?
  • Wie verändert sich die Rolle über verschiedene Senioritätsstufen?

So wird aus einem allgemeinen Berufsbild Schritt für Schritt eine Rolle, die zu Ihrer Organisation passt.

Referenzdaten sind nicht die Wahrheit Ihrer Organisation

Ein Beruf und eine Organisationsrolle hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe. Das ESCO-Handbuch unterscheidet zwischen einem Beruf – einer Gruppe von Arbeitsplätzen mit ähnlichen Hauptaufgaben und Pflichten – und einem Arbeitsplatz bei einem bestimmten Arbeitgeber. Ein Rollenprofil ergänzt eine weitere Ebene: Erwartungen, Verantwortlichkeiten und Beziehungen innerhalb Ihrer Organisation.

Keine externe Datenbank kennt Ihre:

  • Strategie und Ihr Betriebsmodell
  • Produkte, Kunden und regulatorischen Rahmenbedingungen
  • Entscheidungsrechte und Berichtswege
  • Karriere- und Senioritätsstruktur
  • Arbeitsteilung zwischen benachbarten Rollen
  • Ergebnisse, für die genau diese Rolle verantwortlich ist

Referenzdaten einfach als Vorlage zu kopieren, würde nur eine schwache Abkürzung durch eine andere ersetzen. Ihr Wert liegt darin, relevante Möglichkeiten sichtbar zu machen. Ihr Team entscheidet weiterhin, was dazugehört, was nicht und wie jedes Element formuliert wird.

Wie riteful Berufsdaten für die Rollengestaltung nutzbar macht

riteful verbindet KI-Unterstützung mit strukturierten Berufs- und Kompetenzdaten aus Quellen wie ESCO und AMS BIS. So erhält HR einen besseren Ausgangspunkt, um eine Rolle zu definieren.

Die Referenzdaten zeigen, was relevant sein könnte. Ihre Organisation entscheidet, was tatsächlich in die Rolle gehört.

So macht riteful Berufsdaten praktisch nutzbar: Relevante Kompetenzen werden als prüfbare Ausgangsbasis vorgeschlagen und lassen sich an die Organisation anpassen.

Statt vor einem leeren Formular zu stehen, kann HR mit relevanten strukturierten Informationen beginnen, sie prüfen und anpassen. Die Organisation bleibt für die fertige Rolle verantwortlich: Menschen können unpassende Vorschläge entfernen, Formulierungen ändern, unternehmensspezifische Erwartungen ergänzen und Verantwortlichkeiten klären.

Dieser Ansatz kann die Rollengestaltung auf drei praktische Arten verbessern:

  1. Weniger Arbeit am leeren Formular. Erste sinnvolle Fragen und mögliche Begriffe sind bereits vorhanden.
  2. Einheitlichere Sprache. Verwandte Rollen können auf einem gemeinsamen Referenzvokabular aufbauen statt auf unverbundenen Quelldokumenten.
  3. Bessere Abstimmung. Beteiligte reagieren auf eine konkrete Basis und verwenden ihre Zeit für die Unterschiede, die wirklich wichtig sind.

Die Unterstützung durch riteful dient der menschlichen Beurteilung. riteful entscheidet nicht autonom, wie eine Rolle aussehen soll, und die Referenzquellen ersetzen nicht die Verantwortung der Organisation.

Beginnen Sie nicht mehr mit einem leeren Formular

Ein gutes Rollenprofil ist weder ein aus einer Datenbank kopierter Standardberuf noch eine aus dem Gedächtnis geschriebene Sammlung interner Meinungen. Es verbindet eine glaubwürdige externe Basis mit bewussten Entscheidungen der Organisation.

Berufsdaten können zeigen, was üblicherweise mit einem Beruf verbunden ist. Ihre Organisation bestimmt, was diese Rolle bei Ihnen bedeutet. riteful hilft dabei, aus der ersten Ebene einen praktischen Ausgangspunkt für die zweite zu machen.

Nächster Schritt

Rollen mit einer besseren Ausgangsbasis definieren

Statt jede Rolle aus einem leeren Formular zu entwickeln, beginnen Sie in riteful mit relevanten Berufs- und Kompetenzdaten und passen diese an die tatsächliche Arbeitsweise Ihrer Organisation an.